HERTZBRECHENDES KLAG: und LEID-GESCHREY IN GROSS BRITTANIA, DESS Darinnen am Fluss der Thaemes gelegenen gross: und festen CASTELS genand WINDSOR.

Uber den unschuldigen Todt Dess Durchlauchtigst: Grossmaechtigsten Fuersten und Herrn, H: CAROLI Koenigs in England, Schottland, Franckreich und Irrland, &c.

Welcher Anno 1648. den 30 Ianuary auf die vorhero von einem vom Englischen Parliament verordneten hohen Gerichte so thanon Verurtheisung auf einem vor Withall nahe am Pancket-Hausse aufgerichteten Theatro enthaubtet, und foll­gents ohne eintzig Gepraenge oder Ceremonien nach gemeltem CASTELL gefubret, und daselbst bey gesetzet worden.

Von einem (M. E. S.) der Wahrheit und Ger [...]ichtigkeit Liebha­bern schon vor etzlich Iahren in Hoch-Deutscher Sprache carminice aufgesetzet, und publiciret, und anietzo wieder aufs new in Druck verferttiget.

Gedruckt in Londen Im Iahr 1661.

I. Epistel. St. Peter Capit. 2. v. 17.

Fuerchtet Gott, Ehret den Koenig.

Proverb. 24. vers. 21.22.

Mein Sohn fuerchte den Herren und den Koenig, und menge dich nicht unter die Aufrührischen, Denn Ihr fall werd ploetzlich entstehen, und wer weiss, wenn beyder Unglück kombt.

I. Samuel 24. v. 11.12.

Ich wiell meine Handt nicht an meinen Herren legen, denn Er ist der Gesalbete dess Herren. Der Herr wird Richterseinn Zwischen mir und dir, und mich an dir raechen, aber meine Hand sohl nicht ueber dir sein.

Matth. 22. v. 21.

Gebet dem Kayser was dess Kaysers ist, und Gott was Gottes ist.

WAs bin Ich armes Windsor Schloss
Gewesen doch vorzeiten?
Der Ich gebaw't schoen, fest und gross
Auf einen Felss zum streiten,
Und auch zur Lust am Thaemes-flus,
Der mir umbnetz't mein Sietz und Fuss▪
War Ich nicht ein recht Frewden-haus?
Wenn Koenig's-Mayestaeten
Zueziehen pfleg'ten ein und aus
Mit Paucken und Trompeten
Zuefchlagen Rietter mit dem Schwerdt
Vom Blawen Hosenband hoch werth.
Manch'r Prinz, Fuerst, Graff, und Edler-held
Hat mit Ehrn hier erlanget
Den Rietter-Standt, und nicht durch Geld;
Besonndern wann gepranget
Sein Mannheit herfur und in Thatt
Er solche recht bewiesen hat,
Mit Turnie'n, Kaempfen, Sturm und Streit
Zue Wasser uud Zuelande
Must Er sein Kuehne Tapferkeitt
Beweisen ohne Schande
Dem Vatterland zue Schutz und Nutz,
Und seinem Feind zue einem Trutz.
Solch' Koenigliche Lust und Frevvd,
Vnd Edler Rietter-Orden
Hat nun ein end. und ist allreit
Mein Wohnung leider worden
Ein Travver-haus, und Todten-Grufft,
Welch' stets erbaermlich Rache rufft:
I a freylich Rache über Die,
So Tyrannischer massen
Getoedtet den, der doch war nie
Mit fug und Recht zue hassen,
Vielweniger verschult vom Thron
Zuestuertzen Ihn mit solchem hohn,
Alls Carolum den Koenig gross
Drey gantzer Koenigreiche.
Der nun liegt hier in meiner Schoss,
Doch zwar nur seine Leiche.
Die Seele ist zue Gott geführt,
Der Sie mit Ewig'r Chron geziehrt.
Die Seel', welch' fuerdem Angeficht
Des grossen Gottes schwcbet,
Vnd alls ein Stern leicht hell und licht,
Vnd voller frevvden lebet,
Klag't sehr hart an die Moerder gros
Stets immer und ohn unterlos.
Denn ob schon Seine Mayestet
Den Tugenden ergeben,
Und nicht allein gehalten stet
Ein Keusch, und nuechtern Leben
In Gottes-furcht, und das er war
Mild', Gnaedig, und Sanffmuettig gar;
Besondern auch so Ruehmlichst ist,
Ein Loeblich Regimente
Gefuehret, und zue ieder frist
Sorg', fleis, und meh' anwend'te
Umb zuerhalten Land und Leuth
In Rub', und fried und einigkeit.
Noch dennoch entlich wieder Ihn
Viell Rebellische Kriege
Sich angesponnen alhier in­dem
Reich, Er auch die Siege,
Und's Glueck den Rebell'n lassen must
Mit grossem schaden und Verlust.
Drauf Ihn theils and'rer Nation
Zue Der Er sich gesellet,
und (negst Gott) sein meist hoffnung schon
Gesetzt hatt und gestellet,
Verrathen und Verkaufft mit List,
(Wie Iudas thet den Herren Christ.)
Dem Engelischen Parlament
Gar schaendlich wieder glauben,
Ehr, Trevv, and Pflicht, nur zue dem end,
Das Leben Ihm Zurauben
Wie Er sich dann Zum Tode sein
Gedulldig as ein Lamb stellt ein.
O We [...]h' der grossen Tyranney
Ein solchen Potentaten
Zuerichten hien ohn furcht und schew.
O wer hat dies gerathen.
Ist solch's doch vorhin nie erhoert,
Das Vnterthanen so bethoert.
Und Zugleich seine Erben-Drey
So gantz zue unterdruecken.
Moecht einem springen doch entzwey
Das Hertz in Tausent stuecken,
Wenn es bed enck't die boese That,
Und wie man's practiciret hat.
Dies heist gantz wieder Goet gethan,
Vnd sein Geboth und Lehre,
Das sein Gesalbeten Sie an­geruehrt,
und nicht viel mehre
Die Rach' befohlen Gott allein.
Ob schon wer Recht Ihr falscher schein.
Wehr'n gleich mein Augen Baeche tieff,
Vnd grosse Wasserquellen,
Das davon die Thaems überlieff,
Koentt Ich doch nich gnug faellen
Des Wassers Zuebeweinen recht
Den Herren meinen Koenig echt,
Doch wiell, so viel Ich immer kan,
Mein Thraenen lassen fliessen.
Ist iemand sonst auch mit mir dran
Dergleichen Zuevergiessen,
Zublicken lassen seine Lieb,
Die Er sei'm Herren schulldig blieb.
So thue Er solches spat und fruee
Mit Travvren und Leidtragen,
Vnd helf sein Todt und Vnschult hie
Von hertzen sehr beklagen,
Ach, ach es möcht ein Steinern Hertz
Vmb Ihn wohl tragen Leidt und Schmertz
Vnd wenn solch's schon der Mensch nicht thet,
So wurden doch nicht schweigen
Berg'Thahl: und Waellder, sondern stet
Bewegen sich und beigen,
Vnd schreyen laut mit voller Stimm
Stets über seine Vnschult hin.
Hat doch die Sonne Ihren Glantz
Denselben Tag nicht geben,
Alls Er getoedtet, sonndern gantz
Verfinstert, und darneben
Der Himmel auch bekleidet sich
Mit finstern Wolcken trawriglich.
O Weeh Euch, die Ihr schulldig seyd,
Vnd Ihm geraub't das Leben,
And seine Krohn und Herrligkeit.
Gott wirdt den Lohn Euch geben.
Glaub't nur gewieslich dem Bericht,
Die Straff ja bleibet aussen nicht.
Ia, die zeit kombt bald, in der Ihr
Dem den Ihr habt verstossen,
Werd't muessen geben nach gebuehr
Seiu Erbtheill, und der grossen
Straff, Schand, und Spott gewertig sein
Auch wieder ewern Wiellen fein.
Ich aber schaetz mich gluecklich nu,
Der Ich die Ehr bekommen,
Das dein Ruhstet (o Koenig Du,)
Bey mir hast hier genommen.
Gott geb' am Iuengsten Tag auch dir
Ein f [...]oelich Aufferstehung hier.
FINIS.

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